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Im unserem engen Zusammenleben mit dem Hund stören stinkende Pupse ganz besonders. Insbesondere wenn der Gestank ekelerregende Ausmaße annimmt, empfinden manche Menschen den Hund als nicht mehr gesellschaftsfähig. Aber - der Hund kann nichts dafür. Blähungen sind oft ein Anzeichen für eine gestörte Verdauung - und meistens hängen die Blähungen mit der Fütterung von schlechtverdaulichem Futter zusammen. Wir können das also ändern. Neben diesen meist harmlosen Ursachen können aber auch schwerwiegendere Gründe bis zu akuten Vergiftungen vorliegen.

 

 

NOTFALL-CHECKLISTE : Blähungen beim Hund

 

 

 

Wenn die Blähungen in Verbindung mit dem einen oder anderen Pups nur gelegentlich einmal auftreten - ist es wie bei uns Menschen - zunächst überhaupt kein Grund zur Beunruhigung. Häufig sind einfach blähende Futtermittelbestandteile oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit der Grund ( Details siehe  -> ungeeignete Nahrungsmittel für Hunde ). Wenn jedoch ein akut aufgeblähter Bauch sichtbar ist ohne dass der Hund rülpst oder pupst/furzt - kann es sich um einen gefährlichen Notfall handeln. Wenn dazu noch auffällige Verhaltensänderungen kommen, ist das ein Grund sofort den Tierarzt oder die Tierklinik aufzusuchen, weitere Details siehe  -> Magendrehung

A. AUSGANGSLAGE

  • Blähungen, Pupsen
  • Blubbern und Rumoren im Bauch des Hundes
  • laute Darmgeräusche, Rumpeln im Bauch
  • laute Magengeräusche
  • der Hund stinkt regelrecht
  • Hund pupst fast ununterbrochen
  • der Hund stinkt bestialisch
  • selbst dem Hundebesitzer ist schon ganz übel
  • der Hund hat ständig Blähungen und macht einen Katzenbuckel
  • möglicherweise hat der Hund einen dicken Bauch, Achtung (!) -> Symptome beachten der  -> Magendrehung
  • bei akut auftretenden Verdauungsproblemen auch immer an Vergiftungen denken, Details siehe  -> Vergiftungen

 

B. HINTERGRUND-INFOS

  • bei Blähungen handelt es sich um die verstärkte Entwicklung von Gasen im Magen-Darmbereich des Hundes
  • der medizinische Fachbegriff ist Flatulenzen (lat. für Wind oder Blähung )
  • was wir vor allem unangenehm wahrnehmen ist der Flatus (Pups, Furz), also das Entweichen der Darmgase über den Anus (wenn der Hund furzt, pupst).
  • diese Darmgase bestehen aus u.a. Methan und Schwefelverbindungen
  • sehr starke Blähungen können zu einer Kolik führen, das sind krampfartige und heftige Bauchbeschwerden

 

Um ein Problem zu lösen, muss man seine Ursache kennen. Dazu ist viel 'Forschungsarbeit' insbesondere des Hundehalter gefragt. Ist die Ursache des Verdauungsproblems ermittelt, sollte dieser Verursacher künftig tunlichst gemieden werden.

 

C. SYMPTOME

  • Blähungen (Flatulenz)
  • aufgeblähter Bauch
  • Durchfall, siehe auch  -> Durchfall beim Hund
  • Erbrechen
  • Gewichtsabnahme
  • Magen- und Darmgeräusche
  • Appetitlosigkeit
  • der Kot stinkt unerträglich
  • Magenkrämpfe, Magenschmerzen
  • falls der Hund zusätzlich die Gebetsstellung zeigt, ist das ein Anzeichen für sehr schwerwiegende Bauchbeschwerden

 

Um den Durchfall wirksam behandeln zu können, muss seine Ursache bekannt sein. Eine allergische Überreaktion hat einen ganz anderen Therapieplan als ein Wurmbefall. Dazu sind in aller Regel Laboruntersuchungen des Stuhls notwendig.

 

D. URSACHEN

  • Futterunverträglichkeit
  • Unverträglichkeit gegen Milchprodukte
  • Futtermittelallergie
  • für Hunde sind viele Tischabfälle, Essensreste oder generell menschliche Nahrungsmittel vollkommen ungeeignet oder sogar schädlich ( weitere Details siehe  -> Giftige Lebensmittel )
  • Darmentzündung
  • Magen-Darm-Infektionen
  • Magen- und Darmentzündung (Inflammatory Bowel Disease, IBD)
  • Chronische Entzündung der Darmschleimhaut
  • Colitis, chronische Colitis
  • Reizdarmsyndrom mit schleimigen Durchfall
  • Giardien-Infektion, siehe Giardien
  • chronischer Durchfall
  • Parasiteninfekt
  • Folgen einer längerdauernden Antibiotika-Behandlung mit negativem Einfluss auf die Darmflora (Ungleichgewicht)
  • Chronische Dickdarmentzündung
  • Darmparasiten und Würmer (Spul-, Faden- und Bandwürmer), Kotprobe zum Tierarzt bringen
  • qualitativ minderwertige Nahrung (siehe unten)
  • zu viele oder ungesunde Leckerlis
  • individuelle Anfälligkeit für bakterielle Gärungsprozesse im Darm
  • Anzeichen für eine Fehlfunktion der Bauchspeicheldrüse
  • Schlucken von Luft durch zu schnelle, hastige Nahrungsaufnahme
  • kurzschnäuzige Hunde (Hunderassen vom brachyzephalen Typ mit besonders kurzer Schnauze z.B. Bulldogge, Boxer) haben die Neigung beim Fressen und Trinken Luft zu schlucken - dies kann auch die Ursache für Blähungen sein
  • Fehlgärungen im Darm durch schlechtverdauliches Futter
  • wenn der Hund zusätzlich die Wirbelsäule verkrümmt oder gar einen Katzenbuckel macht oder die Gebetsstellung zeigt, hat er Schmerzen bis zur Darm-Kolik (in diesem Fall unbedingt gleich zm Tierarzt)
  • Aufnahme von fremdem Kot oder Aas beim Freilauf ( Pferdeäpfel, Kuhfladen, Schafkot bis zu Menschenkot, etc.)

 

D.1 Ursachen aus dem Ernährungsbereich

Hinweis: wenn Sie in dieser Auflistung der Futtermittelunverträglichkeiten beim Hund fündig werden sollten, setzen Sie dieses Futtermittel ab oder verhindern sie die weitere Futteraufnahme auf diese Art. Beobachten Sie die Situation aber genau weiter. Es ist leicht möglich, dass sich Ursachen überlagern und der eigentliche Grund noch nicht gefunden ist. Auch wenn aus dieser Liste etwas zutreffen sollte.

  • plötzliche Nahrungsumstellung
  • Lebensmittelvergiftung oder Lebensmittelunverträglichkeit durch verdorbene Nahrungsmittel, siehe auch [[Vergiftungen]]
  • Milcheiweißallergie
  • Histamin-Intoleranz (u.a. in Käse)
  • Fruktoseintoleranz (Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker)
  • Laktoseintoleranz (Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker)
  • Zuckerersatzstoffe wie Sorbit
  • hoher Anteil an Ballaststoffen
  • Aufnahme von Hülsenfrüchten
  • Nahrungsmitteln Zwiebeln, Staudensellerie, Kohl, Brot aus Sauerteig, Knäckebrot, Hühnereier, Sauerkraut und Wassermelonen
  • Verzehr von Topinambur
  • Brot bzw. Sauerteig bzw. generell Aufnahme von Essensresten aus der menschlichen Ernährung (mit einer Vielzahl von Zusatzstoffen)
  • generell: Überlastung des Magen-Darm-Bereichs durch zu große Futtermengen auf einmal (wie oft und wieviel bekommt der Hund zu fressen)
  • Darmbakterien, die Zucker (u.a. Milchzucker, aber auch Stärke, das zu Zucker umgebaut wird) abbauen. Viel Zucker im Darm begünstigt die Entwicklung von Bakterien -> die führt zu starke Blähungen
  • Tischabfälle aus der menschlichern Ernährung mit undefinierten Inhalten
  • Glutenunverträglichkeit (Getreide)

 

D.2 Ursachenforschung bei anhaltenden Blähungen

  • um eine gezielte Therapie durchführen zu können, muss die Ursache der Blähungen bei ihrem Hund bekannt sein
  • als Hundehalter können Sie dazu dem Tierarzt wertvolle Anhaltspunkte geben.
  • Gehen Sie obige Liste kritisch durch und prüfen Sie, ob eine der möglichen Ursachen auf ihren Hund zutreffen könnte.
  • Teilen Sie ihrem Tierarzt diese Beobachtung mit.
  • Möglicherweise lässt sich durch einfache Präventionsmassnahmen (z.B. andere Fütterung) die Auslösung der Blähungen verhindern.

 

E. MASSNAHMEN

Falls man das Trinkwasser als Quelle des Übels in Verdacht hat, sollte dieses als Sofortmassnahme abgekocht werden.

 

F.1 Futtermittelumstellung

  • Schonkost für den Hund: Hühnchen und ungesalzener Reis
  • generell: optimal sind drei Mahlzeiten am Tag
  • die bisherige Zugabe von Nahrungsergänzungsmittel und Enzympräparate zumindest testweise reduzieren oder abbrechen, da diese möglicherweise die Darmflora negativ beeinflussen
  • bei alten Hunden mit Blähungen: Umstellung auf Seniorenfutter
  • auf jedliche Art von Getreide-Fütterung verzichten

Beobachten Sie grundsätzlich die Veränderungen im Stuhlgang des Hundes. Insbesondere Blut und rote oder schwarze Verfärbungen (verdautes Blut) sind ein Grund den Hund zum Tierarzt zu bringen.

 

F.2 Fütterungsverhalten und Gewohnheiten überprüfen und ggf. ändern

  • den Bauch des Hundes massieren um die Gase zu lösen
  • Handfütterung bei Luftschlucken bei Hunderassen vom brachyzephalen Typ (kurze Schnauze)
  • Futter und Wasser aus einem erhöhtem Futternapf anbieten, falls der Hund Luft beim Fressen schluckt
  • mit dem Hund nach jeder Mahlzeit spazieren gehen - Bewegung regt die Verdauung an hilft dabei. die entstehenden Gase schon unterwegs entweichen zu lassen
  • um eine Überlastung des Magen-Darm-Traktes zu vermeiden, dem Hund statt einer großen Mahlzeit mehrere kleine Mahlzeiten anbieten
  • wenn der Hund mit anderen Hunden zusammenlebt und frisst (Futterkonkurrenz): um zu hastiges Hinunterschlucken des Futters zu vermeiden, den Hund in Ruhe allein fressen lassen
  • generell ungestörtes Fressen: den Hund beim Fressen in Ruhe lassen
  • im Handel gibt es 'Anti-Schlingnäpfe'
  • gegen Luftaufnahme wegen zu hastigem Fressen: sehr grossen runden Kieselstein in den Futternapf legen
  • täglich dem Hund genügend Auslauf geben - Bewegung ist immer gut für die Verdauung
  • Heilerde (aus der Apotheke)

 

F.3 Hausmittel gegen Blähungen

  • gemahlenen Kümmel unter das Futter mischen
  • Kümmeltee zu trinken geben, dazu Kümmelkörner 10 Minuten in Wasser köcheln, absieben und gut abkühlen lassen
  • Kümmel-Fenchel-Anis-Tee (als fertige Mischung) als Wasserersatz anbieten
  • Fencheltee geben, um den Magen-Darm-Trakt zu beruhigen
  • ein Teelöffel Orangensaft zum Futter
  • Heilerde (aus der Apotheke)
  • Harzer Käse gegen 'Kotfressen' geben. Der Harzer Käse stinkt wie das, was die 'Kotfresser' so mögen
  • wenn es neben den Blähungen Hinweise auf Durchfall beim Hund gibt, z.B. wegen einer Giardien-Infektion, kann therapie-begleitend die bewährte Moro'sche Suppe gegeben werden

 

F.4 Wann zum Tierarzt?

  • im Zweifel immer (!) zum Tierarzt oder in die Tierklinik
  • wenn neben den Blähungen weitere Krankheitszeichen auftreten
  • insbesondere wenn der Hund die Wirbelsäule verkrümmt, einen Katzenbuckel macht oder die Gebetsstellung zeigt
  • bei Anzeichen einer Magendrehung sofort zum Tierarzt (akute Lebensgefahr!), weitere Details siehe  -> Magendrehung

 

 

I. DOKUMENTEN-HISTORIE

 

 

 

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