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Manch ein Hundehalter schämt sich, wenn sein Hund mit Maulkorb herumläuft. Weil leider immer noch der Maulkorb mit einem bissigen Hund assoziiert wird. Tritt dann der Ernstfall ein und der Hund braucht einen Maulkorb - zum Beispiel weil ein Hundehasser in der Gegend Rattengift ausgelegt hat, ist dann der Hund nicht an den Maulkorb gewöhnt und sie haben ein echtes Problem. Deshalb sollte dringendst jeder Hundehalter ein Maulkorb-Training mit seinem Hund machen, und dies auch immer wieder einmal auffrischen. Sollten sie von Menschen denen sie begegnen darauf angesprochen werden, können sie ganz stolz darauf verweisen, wie klug es ist, ein Maulkorbtraining zu absolvieren. Also lassen Sie sich nicht beirren und beginnen sie so bald wie möglich mit dem Training. Ihr Hund wird es ihnen danken, wenn er im Ernstfall nicht durch das erzwungene Aufsetzen des Maulkorbs traumatisiert wird.

 

TRAINING-CHECKLISTE : Maulkorb-Gewöhnung

 

 

 

 

Hinweis für selbständige Hundetrainer: Die Novelle des Tierschutzgesetzes hat viele neue Regelungen aber auch eine grosse Verunsicherung gebracht. Wir haben deshalb für Hundetrainer ein Forum zum Erfahrungsaustausch eingerichtet. Die Teilnahme ist kostenlos und soll im Bedarfsfall der Koordination von Sammelklagen dienen. Weitere Infos dazu im -> Hunde-Trainer-Forum .

 

 

A. Ausgangslage

  • es gibt Situationen, in denen es sehr vorteilhaft ist, wenn der Hund bereits an einen Maulkorb gewöhnt ist
  • bei einer Ersten-Hilfe-Leistung zum Schutz der Helfer
  • oder je nach Behandlung auch beim Tierarzt
  • auch gilt für manche Länder eine Maulkorbpflicht, dazu unbedingt rechtzeitig – vor dem Urlaub informieren, wie die Bestimmungen im gewählten Urlaubsland sind, es gibt auch Hotels, die das Tragen eines Maulkorbs verlangen
  • in manchen Situationen wie zum Beispiel Schiffsfähren kann auch Maulkorbpflicht gelten
  • beim Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn der Hund nicht in einer Tasche transportiert wird
  • auch bei einem Giftalarm kann es als Notfallmaßnahme sinnvoll sein, insbesondere bei Hunde die unterwegs alles ins Maul nehmen und fressen wollen - den Maulkorn anzulegen, um die Giftköderaufnahme zu verhindern
  • wenn der Hund nicht an den Maulkorb gewöhnt ist, können solche Situationen für Hund und Halter erheblichen, zusätzlichen Stress bedeuten

 

 

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B. Zeitplan

  • die Maulkorbgewöhnung erfolgt immer nur positiv besetzt in ganz kleinen Schritten
  • es muss von einer Gewöhnungsphase von etwa 8 Wochen ausgegangen werden (Abweichungen nach oben und unten sind immer möglich – jeder Hund ist anders!)
  • die Gewöhnung soll ganz allmählich und stressfrei (!) erfolgen
  • wenn es gut läuft können die unten angegebenen ganzen Wochen auch als halbe Wochenschritte genommen werden
  • das Training verkürzt sich dann auf 4 Wochen
  • beginnen Sie am Besten so rechtzeitig, dass Sie nicht auf Grund von Zeitdruck unter Stress geraten
  • wenn ihr Hund mit einem Maulkorb schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht hat oder sie beim Training nicht weiter kommen, wenden sie sich an einen erfahrenen Trainer, damit dieser sie unterstützt.

 

 

C. Auswahl des 'richtigen' Maulkorbs:

  • TIPP: in einem guten Fachgeschäft helfen einem auch die Verkäufer 'am Hund', den passenden Maulkorb zu finden
  • deshalb den Hund zur 'Anprobe' mitnehmen
  • der Maulkorb muss fest sitzen
  • wenn er angelegt ist, kann man ihn nicht von der Schnauze ziehen
  • der Maulkorb drückt nicht auf die Nasenspitze
  • der Hund muss trotz Maulkorb noch problemlos hecheln und trinken können
  • ein guter Maulkorb besteht i.d.R. aus weichem Kunststoffmaterial, Leder oder Draht (zur Maulkorb-Gewöhnung am Besten einen aus Kunststoff verwenden, diese kann man gut reinigen)
  • der Maulkorb sollte nirgends drücken – es gibt inzwischen Maulkörbe, die nach eintauchen in heißem Wasser der Schnauzenform etwas angepasst werden können
  • Keine Maulschlaufen oder eng anliegende 'Maulkörbe' aus Stoff verwenden! Diese ermöglichen keine ausreichende Atmung und sind nur zur kurzfristigen Verwendung (z. B. beim Tierarzt) geeignet.

 

 

D. Trainingsablauf

  • der Hund darf den Maulkorb nicht mit etwas Negativem verknüpfen
  • der Maulkorb darf niemals als Bestrafung in direkter Reaktion auf ein Fehlverhalten aufgesetzt werden

 

WOCHE 1 : optisch mit dem Maulkorb vertraut machen

  • Training in der Wohnung
  • den Maulkorb einfach rumliegen lassen
  • dem Hund hin- und wieder über den Tag verteilt den Maulkorb zeigen
  • den Maulkorb als Spielzeug verwenden, wenn der Hund mag
  • beruhigend auf den Hund einreden

 

Tipp zur weiteren Vorbereitung:

  • Hund hin und wieder mal den Rest aus einem Jogurt-Becher ausschlecken lassen, um die Enge am Maul mit etwas Positivem zu verknüpfen

 

WOCHE 2 : aus dem Maulkorb füttern

  • Training in der Wohnung
  • dem Hund den Maulkorb zeigen
  • beruhigend auf den Hund einreden
  • Futter oder Leckerli in den Maulkorb geben
  • der Maulkorb kann auch im vorderen Bereich je nach (Hunde-) Geschmack mit Leberwurst oder Schmierkäse bestrichen werden
  • den Hund aus dem Maulkorb fressen lassen
  • wenn die Leckerli weg sind: Übung beenden
  • WICHTIG: Der Hund muss freiwillig die Nase in den Maulkorb stecken. Niemals den Maulkorb zu Nase führen. Nur davor halten und warten bis der Hund die Schnauze von selbst hinein steckt.

 

WOCHE 3 : Maulkorb kurz über die Nase stülpen

  • Training in der Wohnung
  • Futter oder Leckerli in den Maulkorb geben
  • den Hund aus dem Maulkorb fressen lassen
  • Maulkorb ganz behutsam über die Nase stülpen - aber nicht festmachen!
  • den Maulkorb dabei in der Hand behalten
  • den Hund loben, wenn er den Maulkorb auf hat
  • anfangs den Maulkorb gleich wieder abnehmen
  • die Verweildauer des Maulkorbs immer wieder etwas verlängern
  • dabei beruhigend auf den Hund einreden
  • (Super-) Leckerli durch den Maulkorb füttern

 

Tipp zur leichteren Ausführung:

  • wenn es besser geht und den Hund beruhigt: Sitz machen lassen

 

 

WOCHE 4 : Maulkorb-Riemen ganz leicht festmachen

  • Training in der Wohnung
  • Futter oder Leckerli in den Maulkorb geben
  • den Hund aus dem Maulkorb fressen lassen
  • Maulkorb ganz behutsam über die Nase stülpen und Riemen ganz leicht im Nackenbereich festmachen (zuerst nur mit den Fingern zu halten, erst später mit dem Verschluss schließen)
  • den Hund loben, wenn er den Maulkorb auf hat
  • anfangs den Riemen gleich wieder losmachen
  • die Verweildauer des Maulkorbs immer wieder um ein paar Sekunden verlängern
  • beruhigend auf den Hund einreden
  • (Super-) Leckerli durch den Maulkorb füttern

 

WOCHE 5 : Maulkorb-Riemen für kurze Zeit festmachen

  • Training in der Wohnung
  • zum Aufsetzen: Futter oder Leckerli in den Maulkorb geben
  • Maulkorb ganz behutsam über die Nase stülpen und Riemen korrekt im Nackenbereich gut festmachen
  • den Hund loben, wenn er den Maulkorb auf hat
  • die Verweildauer des Maulkorbs immer wieder etwas bis maximal 5 Minuten verlängern
  • beruhigend auf den Hund einreden
  • (Super-) Leckerli durch den Maulkorb füttern
  • den Maulkorb am Trainingsende kommentarlos abnehmen
  • wenn der Hund versucht den Maulkorb abzustreifen ihn davon ablenken, ggf. Übung für dieses Mal abbrechen

 

WOCHE 6 : Maulkorb in der Wohnung tragen

  • Training in der Wohnung
  • zum Aufsetzen: Futter oder Leckerli in den Maulkorb geben
  • Maulkorb ganz behutsam über die Nase stülpen und Riemen gut festmachen
  • den Hund immer loben, wenn er den Maulkorb auf hat
  • die Verweildauer des Maulkorbs immer wieder etwas bis maximal 5 Minuten verlängern
  • beruhigend auf den Hund einreden
  • durch den Maulkorb immer wieder mal (Super-) Leckerli geben
  • den Maulkorb am Trainingsende kommentarlos abnehmen
  • wenn der Hund versucht den Maulkorb abzustreifen ihn davon ablenken
  • Übung beenden, in dem man dem Hund durch den Maulkorb ein Leckerli gibt und dabei 'unbemerkt' den Maulkorb öffnet und entfernt
  • TIPP: Man kann das Tragen des Maulkorbs mit etwas Angenehmen verbinden: z. B. so lange der Hund den Maulkorb – und nur während dieser Zeit -trägt gibt es Streicheleinheiten, Übungen die mit besonderen Leckerlies belohnt werden etc., je nach Vorliebe des Hundes und was mit Maulkorb machbar ist (apportieren geht jetzt natürlich nicht)

 

WOCHE 7 : Maulkorb regulär in der Wohnung tragen

  • Training in der Wohnung
  • zum Aufsetzen: Futter oder Leckerli in den Maulkorb geben
  • den Hund aus dem Maulkorb fressen lassen
  • Maulkorb ganz behutsam über die Nase stülpen und Riemen korrekt gut festmachen
  • den Hund immer loben, wenn er den Maulkorb auf hat
  • die Verweildauer des Maulkorbs immer wieder etwas bis maximal 15 Minuten verlängern
  • beruhigend auf den Hund einreden
  • durch den Maulkorb (Super-) Leckerli geben
  • den Maulkorb am Trainingsende kommentarlos abnehmen
  • wenn der Hund versucht den Maulkorb abzustreifen ihn davon ablenken. Leckerli geben, evtl. Gehorsamsübungen machen lassen (Sitz, Platz)
  • Übung beenden, in dem man dem Hund durch den Maulkorb ein Leckerli gibt und dabei 'unbemerkt' den Maulkorb öffnet und entfernt

 

WOCHE 8 : Maulkorb beim Gassi gehen

  • Training auf der normalen Gassi-Tour
  • unregelmäßig mal mit - mal ohne Maulkorb Gassi gehen, so dass es für den Hund nicht berechenbar wird
  • zum Aufsetzen immer: Futter oder Leckerli in den Maulkorb geben
  • den Hund aus dem Maulkorb fressen lassen
  • Maulkorb ganz behutsam über die Nase stülpen und Riemen im Nackenbereich gut festmachen
  • den Hund immer loben, wenn er den Maulkorb auf hat
  • die Verweildauer des Maulkorbs immer wieder etwas bis maximal 15 Minuten verlängern
  • beruhigend auf den Hund einreden
  • (Super-) Leckerli durch den Maulkorb füttern
  • den Maulkorb am Trainingsende kommentarlos abnehmen
  • wenn der Hund versucht den Maulkorb abzustreifen ihn davon ablenken
  • Übung beenden, in dem man dem Hund durch den Maulkorb ein Leckerli gibt und dabei 'unbemerkt' den Maulkorb öffnet und entfernt

 

 

 

E. Übungen immer positiv beenden

  • die Übungen sollten immer positiv beendet werden
  • das bedeutet dann abbrechen, wenn es der Hund richtig macht
  • wenn es mal nicht klappt: niemals mit ihm schimpfen, sonst verbindet er mit dem Maulkorb etwas Negatives

 

 

 

 

 

 

 

 

F. Die häufigsten Fehler bei der Verwendung eines Maulkorbes

  • der Hund kommt immer dann mit dem Maulkorb in Kontakt, wenn man etwas Unangenehmes mit ihm vor hat
  • der Maulkorb wird als eine Strafe eingesetzt
  • der Maulkorb ist zu eng und quält den Hund
  • der Maulkorb ist zu locker und kann vom Hund abgestreift werden
  • TIPP: Falls ihr Hund ein Meister des Maulkorb abstreifens ist, in dem er z. B. mit der Daumenkralle sich einhakt und ihn herunterzieht, können sie ihm für die Zeit des Maulkorb-Tragens auch eine Hundesocke anziehen.

 

 

 

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