ERSTE HILFE
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mit 50 Notfall-Checklisten und Anleitungen zum Ausdrucken
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Es gibt Situationen, da wissen wir schlichtweg nicht Bescheid was Sache ist. Uns fehlen einfach wichtige Hinweise in einem Puzzle - von dem wir nur ahnen, dass es gefährlich enden könnte. Unser Hund kann nicht reden. Er kann uns nicht sagen dass ihm heute morgen - als er unbeaufsichtigt im Garten war - von einem 'freundlichen' Herrn ein großes Leckerli durch den Zaun gereicht wurde. Giftköder?!?

 

 

NOTFALL-CHECKLISTE : Notfall-Symptome

Wenn irgendetwas mit dem Hund nicht stimmt ... ? Krankheitszeichen auf die wir achten müssen.

Wichtig für den Helfer ist es einen möglichen Schockzustand des Hundes frühzeitig zu erkennen. Der medizinische Begriff Schock bezeichnet eine lebensbedrohliche Störung des Kreislaufsystems. Dabei ist ein Schockzustand nicht immer leicht zu erkennen, insbesondere wenn äussere Verletzungen fehlen. Im Zweifelsfall ist deshalb immer besser von einem akuten tiermedizinischen Notfall auszugehen, der ein sofortiges Handeln notwendig macht und danach den Tierarzt alles weitere entscheiden zu lassen.

 

 

A. AUSGANGSLAGE

  • Wir wissen nur: mit dem Hund stimmt irgendetwas nicht.
  • sein Verhalten schein sich irgendwie verändert zu haben
  • wir haben keine konkrete Hinweise was die Ursache sein könnte
  • unser Gefühl sagt uns, dass da etwas sehr Ernstes vorliegt
  • wir tappen im Dunkeln
  • bereiten Sie den Kontakt zur Tierklinik bzw. Tierarzt vor, weitere Details siehe  -> Notfall-Kommunikation

 

Wichtig! Bereiten Sie sich darauf vor, ihren Hund ganz kurzfristig in die Tierklinik oder zum Tierarzt zu bringen!

 

 

Abbildung: Notfall-Symptome beim Hund

Notfall-Symptome

Sie dürfen dieses Bild mit Quellenangabe gerne auf ihrer Vereinsseite oder Homepage verwenden.

 

A.1 die Möglichkeit eines lebensgefährlichen Schocks

Die Ursachen, die zu einem Schockzustand führen, können sehr unterschiedlich sein, zum Beispiel:

  • Hitzschlag
  • Sonnenstich
  • Verbrennungen
  • Vergiftung
  • Bissverletzung
  • Magendrehung
  • Verletzungen nach einem Unfall mit starkem Blutverlust
  • nach einem Insektenstich mit einer allergischen Reaktion (anaphylaktischer Schock)
  • auch nach einem Schlangenbiss einheimischer Giftschlangen wie Kreuzotter, Aspisviper und Wiesenotter kann es durch die Injektion körperfremder Eiweisse zum anaphylaktischen Schock kommen, weitere Details siehe -> Schlangenbiss

A.1.1 Hintergrund-Infos zum Schock beim Hund

  • die lebensgefährlichen Risiken beim Schock werden oft unterschätzt
  • häufig fehlen äussere Anhaltspunkte und auch Erfahrungen, die dem nicht vertrauten Hundebesitzer die Bedrohung deutlich machen
  • der Schockzustand kann sich dabei schnell in einen extremen Schwächeanfall und hoffnungsloses Dahindämmern in den Tod entwickeln
  • bei einem 'harmlosen' Bienenstich ( weitere Infos Bienenstich ) rechnet zunächst niemand mit den Komplikationen des anaphylaktischen Schocks, Details siehe -> Anaphylaktischer Schock
  • auch kann es sein, dass der Hund bisher ähnliche Situationen problemlos verkraftet hat, aber nun unerkannterweise eine Allergie gegen Bienengift entwickelt hat
  • auch werden häufig die Risiken eine Hitzeschocks -> Hitzschlag sträflichst vernachlässigt, wenn der Hund nur mal kurz, zum Beispiel zum Einkaufen, im parkenden Auto in der Sonne zurück gelassen wird
  • auch bei Verletzungen mit Blutverlust kann der Hund zunächst noch ganz präsent erscheinen, bis die Symptome des Schocks durch den starken Blutverlust auftreten

A.1.2 Schock-Symptome

Die nachfolgenden Schock-Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten und verschieden stark ausgeprägt sein:

  • der Hund wirkt apathisch bis zur BewusstlosigkeitPuls prüfen
  • er macht einen geschwächten Eindruck
  • unsichere Bewegungen, taumelnder Gang bis hin zum Zusammenbruch
  • der Hund zittert als würde er frieren
  • Pfoten, Ohren und Schwanzende können kühl sein
  • Schleimhäute können blass sein
  • die kapillare Füllzeit ist verzögert, prüfen mit -> Kapillare Füllzeit prüfen
  • der Herzschlag ist beschleunigt, prüfen mit -> Puls prüfen
  • flache, schnelle Atmung, ggf. kontrollieren -> Atmung prüfen

A.2 Wenn der Hund etwas gefährliches verschluckt haben könnte

  • Ob ein verschluckter Knochen dem Hund überhaupt schaden kann, ist umstritten
  • auch für die Aussage dass es ja einem Wolf auch nicht schaden würde, gibt es keine Belege
  • es gibt Tierärzte, die generell von einer Knochenfütterung an Hunde abraten. Ersatzweise kann ein Kauknochen aus Büffelhaut gegeben werden.
  • weiterhin ist zu bedenken, dass die Knochen für unsere Hunde oft erhitzt, gekocht oder gebraten zum Hund gelangen. Das kann dazu führen, dass sie splittern, brüchig werden, und extrem spitz eine Gefährdung für Rachen, Speiseröhre, Luftröhre, Magen und Darm darstellen.
  • wenn der Hund schlichtweg einen zu großen Knochen verschluckt hat, kann es anschließend zu sichbaren Beschwerden kommen, der Knochen kann wörtlich im Hals des Hundes stecken bleiben (u.a. Würgen, Beschwerden beim Atmen, beim Schlucken, es droht Erstickungsgefahr)

 

A.2.1 WENN DAS VERSCHLUCKEN NICHT BEOBACHTET WURDE

  • und auch nichts Auffälliges fehlt
  • aber der Hund sich eigenartig verhält
  • prüfen ob Spielzeug fehlt - oder Teile (!) davon abgebissen wurden und fehlen
  • prüfen ob ein Kleidungsstück fehlt (Nylonstrümpfe, Socken, etc.)
  • prüfen ob Teppich (-Teile) angefressen sind

 

A.3 beim Verdacht auf eine mögliche Vergiftung

  • möglicherweise liegt die Vermutung nahe, dass der Hund Gift aufgenommen hat
  • vielleicht gibt es Fraßspuren, leere Verpackungen oder geöffnete Behälter mit giftigem Inhalt wurden gefunden, oder ähnliches
  • bei Verdacht sollte man unter Mitnahme einer Probe (Giftköder, Erbrochenens, Kot) gleich zum Tierarzt
  • umso früher der Tierarzt Gegenmaßnahmen einleiten kann, um so besser sind die Überlebenchancen
  • der Hund ist in großer Gefahr ohne tierärztliche Gegenmaßnahmen zu sterben
  • um so später die tierärztliche Behandlung beginnt um so eher können irreparable Organschäden entstehen
  • Die Folgen einer Vergiftung hängen stark von der Art des Giftes, der Menge (bezogen auf das Körpergewicht), die Konzentration, den Zeitraum des Giftkontaktes, die Art des Gift-Kontakts (z.B. Kontaktgift über die Haut, Atemgift über die Atmung oder über die Ernährung/Verdauung) und auch mit der aktuellen gesundheitlichen Kondition des Tieres (Alter, Vorerkrankungen) zusammen
  • HINWEIS: Aufgrund der zeitversetzten und damit besonders heimtückischen Wirkung des Rattengiftes behandeln wird dieses wichtige Thema in einem separaten Dokument. Weitere Infos siehe: Rattengift
  • HINWEIS: noch gefährlicher für den Hund als Rattengift ist eine Vergiftung mit Schneckenkorn - es wirkt schneller - oft schon nach 30 Minuten und ist es einmal aus dem Magen-Darm-Trakt in den Kreislauf des Hundes gelangt, gibt es kein Gegengift, weitere Infos siehe -> Schneckenkorn
  • HINWEIS: falls der Hund direkt nach dem Gassigang oder Freilauf äusserlich sehr starke Schwellungen oder bereits blau-schwarze Hautverfärbungen aufweist, kann das ein ernster Hinweis auf einen Giftschlangenbiss sein. Weitere Infos siehe -> Schlangenbiss

 

B. VORBEREITUNG UND SELBSTSCHUTZ

  • beruhigend auf den Hund einwirken
  • auch beruhigend auf die anderen Personen einreden, Panik hilft niemandem !
  • unüberlegte Maßnahmen von anderen Personen vermeiden
  • Hund anleinen bzw. festbinden (der Hund könnte im Schock davon laufen, z.B. in ein Auto), Details siehe -> Sichern und Beruhigen
  • zum Selbstschutz: nur wenn der Hund sehr aktiv scheint, Maulkorb oder Maulschlinge anlegen, Details siehe  -> Maulschlinge
  • den Hund in die stabile Seitenlage bringen, Details siehe  -> stabile Seitenlage

 

C. SYMPTOME

Die folgenden Symptome können verschieden stark ausgeprägt sein, je nachdem was verschluckt wurde und wie tief sich der Fremdkörper bereits im Verdauungsbereich befindet:

 

Wenn der Knochen im Bereich der Atemwege, Maul- oder Rachenbereich ist:

  • der Hund würgt und versucht sich zu erbrechen
  • er reibt sich ständig an der Schnauze
  • leeres Schlucken
  • Schluckbeschwerden
  • Maul steht offen
  • Niesen oder Husten
  • Atemgeräusche
  • Atemnot
  • die Atemwege müssen frei sein -> Atemwege prüfen

 

Wenn der Fremdköper bereits im Magen- oder Darmbereich ist:

  • Erbrechen nach einer Futteraufnahme
  • Erbrochenes mit Blut durchsetzt
  • Verweigerung der Futter- und Wasseraufnahme
  • Mattigkeit
  • kein Absetzen von Kot mehr
  • Schleim bleibt am Thermometer nach dem Fieber-messen (rektal) haften

 

 

sehr schwerwiegende Schmerzsymtome aus dem Bauchbereich: (siehe Schaubild oben)

  • wenn der Hund seine Wirbelsäule verkrümmt und einen Katzenbuckel zeigt
  • wenn er seinen Körper in die Länge zieht und die sogenannte Gebetsstellung zeigt

 

D. NOTFALLMASSNAHMEN

  • wenn noch möglich, durch schnelles Eingreifen den Knochen aus dem Rachen-Mund-Bereich manuell entfernen, bevor der Hund ihn schluckt hat

 

D.1 WENN EIN GEGENSTAND BEREITS IM MAGEN / DARM-BEREICH IST

  • wenn der Fremdkörper bereits tief verschluckt ist, kann nur noch der Tierarzt helfen
  • WICHTIG: Den Hund nicht selbst zum Erbrechen bringen, da dies zu einer Erstickungsgefahr führt!
  • WICHTIG: wird beim Gassigehen nach dem Kot-Absetzen am After ein Stück verschluckter Schnur oder ähnliches sichtbar, auf keinen Fall daran ziehen. Die Schnur kann weit in den Darm reichen und beim Rausziehen schwerste Darmverletzungen verursachen

 

D.2 WENN DER GEGENSTAND IM BEREICH DER ATEMWEGE IST

  • in leichten Fällen: das Husten des Hundes durch Klopfen zwischen die Schulterblätter unterstützen
  • wenn der Hund zu ersticken droht, bei kleineren Hunden an den Hinterfüssen hochheben; bei größeren Hunden an der Brust - und versuchen den Fremdkörper heraus zu schütteln
  • Atemwege blockiert oder teilweise blockiert  -> Atemwege freimachen
  • wenn ein Fremdkörper im Atemweg nicht beseitigt werden konnte, kann es sein dass es zum Atemstillstand kommt
  • der Hund ist bewusstlos
  • der Fremdkörper muss nun rigoros entfernt werden
  • zum Beispiel mit einem Holzlineal oder Schraubenzieher
  • WICHTIG: wenn die Atmung ausgesetzt hat, sofort weiter mit NOTFALL-CHECKLISTE -> Atemstillstand

 

E. TRANSPORT ZUM TIERARZT

  • wenn möglich einen Helfer organisieren, herbeirufen oder herwinken, und ggf. auch laut um Hilfe rufen
  • wenn das Transportfahrzeug in der Sonne stand, gut durchlüften bevor man den Hund hinein bringt
  • vorab mit Tierarzt telefonisch Kontakt aufnehmen
  • sicherstellen daß die Praxis oder Klinik geöffnet hat
  • wenn der Hund gehen kann, sollte man ihn lassen
  • die Fahrt zum Tierarzt sollte schnell wie möglich erfolgen, dabei darf man aber keine unnötigen Risiken auf sich nehmen sein
  • wenn man selbst zu aufgeregt zum Autofahren ist sollte man jemand Anderen bitten dies zu übernehmen
  • weitere Details zum Transport des verletzten Hundes, siehe  -> Transport

 

F. WEITERE HINWEISE

 

F.1 WENN DER KNOCHEN DEN RACHENBEREICH SICHER PASSIERT HAT

  • Wenn keine Beschwerden erkennbar sind, kann man evtl. nach Absprache mit dem Tierarzt auch mit Hausmitteln helfen
  • Man kann dem Hund Sauerkraut geben. Sauerkraut soll zum Beispiel gesplitterte Hühnerknochen einhüllen und damit helfen Darmverletzungen zu vermeiden. Ein scharfer, spitzer Hühnerknochen - der trocken und allein durch den Darm rutscht, kann auf jeden Fall gefährlich werden. Das Sauerkraut soll sich um die gefährlichen Teile legen und dafür sorgen dass es besser durch rutscht und dann besser hinten raus kommt.

 

 

 

F.2 VIDEOS

Auf los geht's: Im TV läuft gleich ...
Wie man mit einen Erstickungsanfall umgeht ...

 

 

F.3 PRÄVENTIVMASSNAHMEN

  • keine Geflügelknochen füttern, da diese splittern und die Speiseröhre, Magen und Darm verletzen können.
  • wenn möglich auf Knochenfütterung ganz verzichten und dem Hund als Alternative zum Knochen das Kau-Vergnügen mit Büffelhaut, Rinderhautknochen oder Ochsenziemer ersetzen
  • die Rinderhaut des Kauknochen wird auf dem Verdauungsweg vollkommen aufgeweicht - beginnend mit dem Einspeicheln im Mund
  • aber auch der weiche Kauknochen kann die Atemwege blockiert, es zum Erstickungsanfall kommen, wenn er zu groß geschluckt wird, weitere Details siehe  -> Erstickungsanfall
  • wenn ihr Hund einen Knochen oder Kauknochen abnagt, lassen Sie ihn dabei ganz in Ruhe - unterstützen kein (!) Futterneidverhalten indem sie ihm den Knochen wieder wegnehmen - was letztlich ein gieriges Runterschlucken am Stück konditioniert

 

 

F.4 QUELLENVERZEICHNIS

  • Ein Tierarzt bezieht deutlich Stellung gegen die Knochenfütterung: http://www.kubinetz.de/knochen.html

 

 

     

     

    G. DOKUMENTEN-HISTORIE

     

     

     

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