ERSTE HILFE
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mit 50 Notfall-Checklisten und Anleitungen zum Ausdrucken
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Der anaphylaktische Schock ist eine allergische Überreaktion des Immunsstems. Dabei kommt es zu einer überschiessenden Reaktion auf chemische Stoffe im Körper. Ein ganz einfacher Stich einer Honigbiene kann den Schockzustand schon auslösen. Wenn die Anzeichen auf diese Art von Schock hinweisen, muss der Hund schnellstmöglichst zum Tierarzt. Diese Dokumentation soll dem Hundehalter helfen möglichst schnell und frühzeitig diesen sehr ernsten Notfall zu erkennen. 

 

 

NOTFALL-CHECKLISTE : Anaphylaktischer Schock beim Hund

Wenn der Hund durch eine allergische Überreaktion seines Körpers in ernste Lebensgefahr kommt

 

 

A. AUSGANGSLAGE

  • Der Hund hat einen Fremdstoff aufgenommen, eingeatmet, verschluckt oder einen Stich in Form eines Insektenstichs abbekommen
  • man hat dies beobachtet oder
  • man kann dies aufgrund des Verhaltens des Tieres oder
  • aufgrund einer entdeckten Einstichstelle schlussfolgern
  • das Verhalten des Hundes scheint sich irgendwie verändert zu haben
  • er scheint schwächlich zu wirken

 

Typische Gefahrenquellen für gefährliche Insektenstiche und auch seltenere Schlangenbisse sind:

  • Hornissen, Wespen, Bienen, Hummeln ( siehe auch Insektenstich )
  • wenn der Hund nach diesen Insekten schnappt oder sie verschluckt, kann der Stich im Rachen sitzen
  • darüber hinaus kann der Hund gegen diese Gifte eine allergische Überreaktion nach und nach erst ausbilden (z.B. nach einem ersten, zweiten, dritten Bienenstich)
  • einheimische Giftschlangen wie Kreuzotter, Aspisviper und Wiesenotter können unseren Hunden in Schlangengebieten beim Freilauf, Herumschnuffeln und Herumstöbern auch durch Injektion von Proteinen gefährlich werden ( siehe auch Schlangenbiss )

 

Weitere Hintergrund-Infos:

  • Der anaphylaktischer Schock kann sich sowohl bei Menschen als auch Tieren entwickeln.
  • das Immunsystem überreagiert dabei auf chemische Reize im Körper
  • Wie schnell der Anaphylaktische Schock gefährlich für den Hund wird, îst praktisch nicht vorhersehbar - da es sich um eine Immunreaktion handelt. Die äussere Fitness oder Jugend des Hundes sagen über das Verhalten des Immunsystems in dieser Situation nichts aus.
  • der chemischische Fremdstoff kann als Insektenstich (Biene, Wespe, Hummel, Hornisse), als Medikament oder vom Hund unerwünscht gefressener Chemie-Stoff - aber auch als Nahrungsmittel (Nahrungsmittelunverträglichkeit) in den Körper des Hundes gelangt sein

B. VORBEREITUNG UND SELBSTSCHUTZ

  • beruhigend auf den Hund einwirken
  • auch beruhigend auf die anderen Personen einreden, Panik hilft niemandem !
  • unüberlegte Maßnahmen von anderen Personen vermeiden
  • Hund anleinen bzw. festbinden (der Hund könnte im Schock davon laufen, z.B. in ein Auto), Details siehe -> Sichern und Beruhigen
  • zum Selbstschutz: nur wenn der Hund sehr aktiv scheint, Maulkorb oder Maulschlinge anlegen, Details siehe -> Maulschlinge
  • den Hund in die stabile Seitenlage bringen, Details siehe -> stabile Seitenlage

 

C. SYMPTOME

Je nachdem welche Körperstelle betroffen ist, können die Symptome sehr unterschiedlich ausfallen

  • Schwellungen an der Einstichstelle
  • bei einem Bienenstich steckt möglichlicherweise noch ein Stachel an der Stelle (nicht bei Wespen und Hornissen)
  • bei Stichen im Rachenbereich kann es zu einem lebensgefährlichen Anschwellen der Schleimhäute kommen: Atembeschwerden, röchelnder Atem, Erstickungssymptome
  • bei einem Schockzustand: bis zur Bewußtlosigkeit, Details siehe -> Schockzustand erkennen

 

D. SOFORTMASSNAHMEN

  • falls es sich um einen Bienenstich handelt, Stachel mit einer Pinzette entfernen
  • beim Hummelstich, Wespenstich und Hornissenstich bleibt kein Stachel zurück.

 

E. NOTFALLMASSNAHMEN

  • bei äusseren Schwellungen: intensiv kühlen, z.B. mit fliessendem Wasser oder mit einem Eispack aus Eiswürfel umgeben von einem dünneren Stoff, z.B. einem Küchentuch 
  • bei einem Stich in den Rachen: versuchen die Schwellung an der Einstichstelle mit Eiswürfel zu vermindern
  • Bei harmlosen, äußerlichen Stichen haben sich auch Hausmittel wie zum Beispiel eine frisch angeschnittene Zwiebel bewährt. Dabei wird die Zwiebelscheibe einfach zum Beispiel auf den Wespenstich gelegt - oder Zwiebelsaft darauf geträufelt.
  • Auch Essigwasser als Hausmittel kann bei einem harmlosen Stich z.B. im Bereich der Pfote aufgeträufelt werden

 

E1. SPEZIELLE MAßNAHMEN BEI VERSCHLIMMERUNG DES ZUSTANDS

  • falls der Hund bewusstlos oder apathisch ist, weiter mit NOTFALL-CHECKLISTE -> Schockzustand
  • Herz überwachen, bei Herzstillstand weiter mit NOTFALL-CHECKLISTE -> Herzstillstand
  • Atmung überwachen, bei Atemstillstand weiter mit NOTFALL-CHECKLISTE -> Atemstillstand

 

 

E2. ANAPHYLAKTISCHER SCHOCK

 

  • Ob tatsächlich ein anaphylaktischer Schock vorliegt, kann letztendlich nur der Tiermediziner feststellen. 
  • In jedem Fall ist beim Auftreten der untenstehenden Symptome höchste Vorsicht geboten - weil sich der Zustand rapide verschlechtern kann. 
  • Der Hund sollte schnellstmöglichst zum Tierarzt. 
  • Es geht dabei wirklich um jede Minute.

 

Einteilung in SchweregradeSymptome
Grad I - mild

Nesselsucht (generalisierte Urticaria), starker Juckreiz (Pruritus), Übelkeit, Angst

 

Grad II - mittelschwer

wie Grad I, zusätzlich: stark angeschwollene Hautbereiche - auch weit entfernt von der Einstichstelle, Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe, Schwindel

Grad III - schwer

wie Grad I + II, zusätzlich: Atemnot, Schluckstörungen, Heiserkeit, Schwäche, Benommenheit, Todesangst

Grad IV - lebensbedrohlich

wie vorhergehende Grade, zusätzlich: Blutdruckabfall, Kollaps, Bewusstlosigkeit, Inkontinenz, Blaufärbung der Haut

Anmerkungen

im Bereich des Insektenstichs selbst ist eine starke Anschwellung zu beobachten, die über 24 Stunden anhalten kann

  •  Anmerkung: die vorstehende Tabelle wurde für die Humanmedizin entwickelt (nach Müller 1988 s.u.) , gibt uns aber auch für unsere Hunde gute Hinweise. Es sei noch einmal dringend darauf hingewiesen, dass eine hier aus der Tabelle abgelesene geringe Gefährdung ein Hinweis darauf ist, dass der Hund sich möglicherweise auf dem Weg in höchste Lebensgefahr befindet.
  • selbst der milde Grad aus dieser Tabelle bedeutet, dass der Hund eine Schädigung jenseits eines normalen, lokal wirkenden Insektenstichs erlitten hat. Gehen Sie zum Tierarzt ! 

 

F. TRANSPORT ZUM TIERARZT

  • wenn möglich einen Helfer organisieren, herbeirufen oder herwinken, auch ggf. auch laut um Hilfe rufen
  • vorab mit Tierarzt telefonisch Kontakt aufnehmen
  • sicherstellen daß die Praxis oder Klinik geöffnet hat
  • wenn der Hund gehen kann, sollte man ihn lassen
  • die Fahrt zum Tierarzt sollte schnell wie möglich erfolgen, dabei darf man aber keine unnötigen Risiken auf sich nehmen sein
  • wenn man selbst zu aufgeregt zum Autofahren ist sollte man jemand Anderes bitten dies zu übernehmen
  • den Hund während des Transports in eine wärmende Decke einwickeln, Thermodecke ( Goldfolie ) verwenden, Details siehe -> Erste-Hilfe Material
  • weitere Details zum Transport des verletzten Hundes, siehe -> Transport

 

Hintergrund-Info: Der Tierarzt kann je nach Einzelfall geeignete Mittel wie Kortison oder antiallergische Mittel spritzen und im absoluten Notfall bei drohendem Erstickungstod sogar einen Luftröhrenschnitt durchführen.

 

G. WEITERE HINWEISE

 

G1. Prävention-Massnahmen gegen Insekten-Stiche generell

  • wenn der Hund nach umherfliegenden Insekten schnappt, sollte dies durch ein 'AUS' oder 'PFUI' unterbunden werden
  • es könnte auch einmal ein Gift-Insekt dabei sein - nach dem der Hund schnappt. Ein Stich in den Rachen wäre fatal.
  • Auch wenn es lustig aussieht wenn der Hund nach Insekten schnappt: um so früher - möglichst schon als Welpe - er lernt dass dies 'PFUI' ist, um so besser - für ihn und seine Gesundheit. Ein Wespenstich im Rachen ist kein Spass mehr.
  • das Zuwerfen von Leckerli zum Hund, das er in der Luft auffangen soll, konditioniert dieses Beuteschnappen aus der Luft und sollte aus diesem Gesichtspunkt unterbleiben
  • wenn Sie ein Wespennest in ihrem Garten oder Haus haben, sollten Sie sich so früh wir möglich um dessen Entfernung kümmern. Die Population nimmt auf den Herbst hin rapide zu. Die Wahrscheinlich für einen Wespenstich steigt. Sie sollten dabei auch das Trinkwasser des Hundes regelmässig kontrollieren.

 

G2. Prävention-Massnahmen bei Allergien gegen Insekten-Gifte (Biene, Hummel, Wespe, Hornisse)

  • wenn der Tierarzt eine allergische Reaktion des Hundes nach einem Insektenstich festgestellt hat, kann sich die Allergie auf Insktenstiche bereits beim nächsten Stich lebensgefährlich verschlimmert haben.
  • es sollte mit dem Tierarzt abgesprochen werden, ob er der Hundehalter für diesen Fall ein Notfall-Medikament bereit halten sollte, das er selbst dem Hund verabreicht. Bei einer allergischen Reaktion bleibt unter Umständen nur sehr wenig Zeit.

 

G3. Wespen und Hornissen am Futternapf

  • Während Bienen und Hummeln überwiegend vom Nektar der Blütenpflanzen leben, gehen Wespen und Hornissen auch an Fleisch. Das Nassfutter unserer Hunde kann sie daher anlocken. Möglicherweise arbeitet sich eine Wespe äusserlich gar nicht mehr gut sichtbar zwischen die Futterstücke hinein.
  • idealerweise sollte im Hundenapf nur so viel Futter sein, wie der Hund bei einer Mahlzeit beobachtet aufnehmen kann.
  • der Futternapf sollte nie mit Futter gefüllt den ganzen Tag herum stehen.

 

G4. Entfernung des Stechapparates nach einem Bienenstich

  • Bei Stich einer Biene bleibt oft der Stechapparat des Insekt als ganzes mit Stachel, Giftblase und Pumpmuskel zurück und pumpt weiter Gift ist sein Opfer.
  • dieser Stechapparat muss entfernt werden
  • dazu muss die vermutete Einstichstelle ähnlich wie beim Zeckenbiss am besten bei gutem Licht (Taschenlampe) genau untersucht werden
  • weitere Details siehe -> Bienenstich

 

G5. Blutsaugende Insekten

  • Umgangsprachlich bezeichen wir auch den Angriff blutsaugender Insekten als Stiche wie den der von Bremsen, Stechfliegen, etc. Da diese Stiche nicht zum echten Angriff oder Verteidigung geführt werden, ist auch kein echtes Gift im Einsatz. Diese Stiche sind für Mensch und Hund oft extrem lästig - aber ansonsten, wenn nicht gefährliche Krankheitskeime übertragen werden - meistens harmlos. In südlichen Ländern können aber tatsächlich für Mensch und Tier sehr gefährliche Krankheiten übertragen werden.
  • Wer mit dem Hund im tropischen Bereich aber evtl. auch schon Mittelmeerländer Urlaub macht, sollte bei seinem Tierarzt das Thema ansprechen (Stichwort: Mittelmeerkrankheiten)

 

H. QUELLENVERZEICHNIS

  • Infos zum Anaphylaktischen Schock bei Insektenstichen: http://www.hornissenschutz.de/stichreaktionen.htm

 

 

G. DOKUMENTEN-HISTORIE

 

 

 

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