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Um so früher eine Gelenkerkrankung erkannt wird, um so besser ist sie zu behandeln. Für den Hund bedeutet das frühe Linderung seiner Beschwerden und damit Lebensqualität. Und gerade bei der Früherkennung der Gelenkerkrankung ist der Hundehalter gefragt. Er sieht als erstes die Verhaltensänderungen an seinem Hund. Er erkennt wie sich sein Hund anders bewegt als früher. Diese Dokumentation soll den Hundehalter dabei unterstützen dem ersten Verdacht eines Gelenkproblems nachzugehen. Mit ein wenig Übung und etwas Wissen über die Anatomie des Hundes kann der Hundehalter durchaus selbst vorsichtig (!) die Gelenke seine Hundes abtasten. Routinemäßig und immer mal wieder. Das ersetzt natürlich in keinster Weise den Tierarzt. Gibt es dabei ernsthafte Hinweise auf ein Gelenkproblem, ist der Gang in die Tierklinik oder Tierarztpraxis angesagt.

 

CHECKLISTE : Gelenke abtasten

 

Gelenkprobleme sind weit verbreitet - auch beim Hund. Manchmal wissen wir nicht, was mit unserem Hund los ist. Plötzlich fängt er an, zu zu humpeln und zu hinken. Vielleicht nach dem Rumtoben auf der Hundewiese - vielleicht aber auch einfach so, ohne erkennbaren Anlass. Wir fragen uns dann natürlich sofort, ob das was Ernstes ist? Ist er beim Herumrennen in ein Loch getreten, hat er sich vielleicht etwas gebrochen oder ausgerenkt? Oder ist es sogar eine bisher unbemerkt gebliebene [Gelenkinfektion], eine Hüftdysplasie (HD) oder gar eine beginnende Arthrose oder Dackellähme. Oder ist alles ganz harmlos? Diese Dokumentation soll dem Hundehalter Anhaltspunkte geben, Hinweise auf Gelenkprobleme seines Hundes in ganz entspannter Atmosphäre selbst festzustellen, und die Gelenke seine Hundes vorsichtig abzutasten. Wenn es Hinweise auf eine Gelenkerkrankung oder einen Gelenkschaden gibt, muss der Hund zum Tierarzt zur weiteren Diagnostik.

 

BITTE BEACHTEN : Grundlage beim Abtasten der Gelenke durch den Hundehalter selbst, ist eine ganz entspannte Atmosphäre in der gewohnten Umgebung des Hundes. Ganz anders als beim Tierarzt, mit fünf anderen Hunden auf dem Flur, zwei Tierarzthelferinnen im Raum, die mit Geräten klappern und einem Tierarzt der immer telefoniert. Ziel in dieser ruhigen Umgebung beim sanften Abtasten der Gelenke ist es, uns vom eigenen Hund selbst durch sein Verhalten gegenüber seinen vertrauten Menschen 'sagen' zu lassen: "Ich habe hier ein Problem. Hier tut es mir weh!". Achten Sie auf seine 'leisesten' Reaktionen. Manche Hunde machen auch bei sanften Berührungen ein typisches Schmerzgesicht. Sie kennen ihren Hund am besten - übersehen Sie keines seiner Signale.

A. AUSGANGSLAGE

  • möglicherweise wurden am Bewegungsverhalten des Hundes Veränderungen beobachtet
  • der Hundehalter will nun vorsorglich im Sinne erweiterter Vitalwerte auch die Gelenke seine Hundes überprüfen
  • vielleicht begann der Hund plötzlich zu zu humpeln und zu hinken
  • das Aufstehen und Hochkommen fällt dem Hund schwer
  • oder er rennt, spielt nicht mehr so gern
  • möglicherweise hat er ein Gelenkproblem
  • man will als Hundehalter mehr Informationen als Entscheidungsgrundlage für die weitere Vorgehensweise

 

Verletzte und entzündete Gelenke beim Hund sind eine sehr ernst zu nehmende Gesundheitsgefahr. Meistens hofft man als Hundehalter ja noch auf vorübergehende Symptome, wenn man beim Hund das erste Mal ein Humpeln und Hinken bemerkt. Das renkt sich wieder ein - hoffen wir und häufig scheinen sich die Gelenkschmerzen und Beschwerden beim Hund nach einiger Zeit auch tatsächlich wieder zu bessern. Doch bei ernsten Gelenkerkrankungen oder Knorpelschäden kehren die Beschwerden wieder. Manchmal allerdings mit schweren Spätschäden am Gelenkknorpel, Gelenkkapsel bis hin zum vollständig kaputten Gelenk mit seiner vollständigen Zerstörung und Versteifung im Endstadium einer Arthrose. Die vorliegende Dokumentation soll den Hundehalter in die Lage versetzen, wenn er erste Hinweise auf Gelenk-Probleme bei seinem Hund erkennt, die - sechzehn gut tastbaren Gelenke - seines Hundes selbst zu finden und vorsichtig behutsam zu prüfen. Wenn sich dabei auch nur leichte Anzeichen von Gelenkschmerzen, Hinweise auf eine Verletzung oder Entzündung des Gelenks zeigen, und wenn dazu noch ein möglicher Anlass wie ein Sturz, Unfall, Beisserei, [[Gelenkbeschwerden]] aus der Vergangenheit oder ähnliches bekannt ist, muss der Hund zum Tierarzt zur näheren Diagnose.

B. VORGEHENSWEISE BEIM ABTASTEN DER GELENKE

B.1 vorsichtiges Abtasten der Läufe und Gelenke

  • gehen Sie ganz behutsam vor, ggf. auch zusätzlich sichern und beruhigen
  • schaffen Sie eine ruhige und entspannte Atmosphäre, ist das aktuell nicht möglich, verschieben Sie die Aktion
  • reden Sie beruhigend auf den Hund ein
  • keine schnelle Bewegungen machen
  • streicheln Sie zunächst den Hund am Hals und an der Seite
  • idealerweise liegt der Hund dabei entspannt auf der Seite
  • gehen Sie vom Streicheln - unbemerkt vom Hund - in ein Abtasten der oberen Gelenke (Schultergelenk, Hüftgelenk) über
  • verwenden Sie ihre beiden Hände zum Abtasten
  • dann immer eine Extremität nach der anderen abtasten - von oben nach unten
  • beginnen Sie mit dem Schultergelenk, tasten Sie sich vorsichtig nach unten bis zur Pfote
  • immer weiter beruhigend auf den Hund einreden
  • schauen Sie auch die jeweilige Pfote genau an, ob Ihnen etwas auffällt, tasten Sie sie ab
  • wenn ihr Hund eine Schmerzreaktion zeigt, brechen Sie die Abtastaktion ab, bleiben aber selbst ansonsten vollkommen ruhig

 

Wann das Abtasten der Gelenke abbrechen? Schon dann, wenn der Hund beim Abtasten erste Schmerzsymptome zeigt, das weitere Abtasten sofort abbrechen. Wir wissen jetzt definitiv, dass der Hund ein Gelenkproblem hat. Zur Sicherheit und Verifikation kann man etwas später das Prozedere noch mal kurz wiederholen. Wenn diese auch wieder auffälllig ist, ist die weitere Diagnostik ist von nun an ein Fall für den Tierarzt. Merken oder notieren Sie sich genau die Körperstelle an der die Schmerzsymptomatik auftrat und teilen Sie das ihrem Tierarzt mit.

 

B.2 Wichtige Symptome: Worauf Sie beim Abtasten achten sollten

  • wenn Sie ihren Hund in einer ganz entspannter Atmosphäre zuhause abtasten, kann er ihnen schon durch seine leichte Änderungen der Mimik Hinweise auf mögliche Gesundheitsprobleme geben
  • wenn der Hund beim Abtasten [[Schmerzreaktionen]] zeigt, also Gelenkschmerzen direkt am Gelenk oder zwischen den Gelenken am Lauf
  • dabei beim Abtasten den Hund beobachten, insbesondere die Augen und Gesichtsausdruck
  • auf spürbar angeschwollene Gelenke achten, ggf. zur Kontrolle mit dem Gelenk auf der anderen Körperseite vergleichen
  • spürbar überwärmtes Gelenk, auch hier ggf. zur Kontrolle mit dem Gelenk auf der anderen Körperseite vergleichen

 

Es empfiehlt sich, so früh wie möglich - also schon am besten im Welpenalter, mit dem Hund ein [[Medizinal-Training]] zu beginnen. Hierin sollte auch das Abtasten der Gelenke seinen Platz haben.

 

B.3 wenn der Hund bis hierher keinerlei Reaktionen gezeigt hat: Gelenk vorsichtig durchbewegen

Idealerweise vergleichen Sie ein Gelenk immer auch mit seinem Gegenstück auf seiner anderen Körperseite (siehe unten: Abbildung Anatomie Gelenke). Wenn sich hierbei schon markante Unterschiede ergeben, ist das eindeutig.

  • Gelenk ganz natürlich durchbewegen
  • wenn die Atmosphäre entspannt ist, können die Gelenke locker ohne Kraft (!) bewegt werden
  • auch hier den Hund beobachten, insbesondere auf die Augen und den Gesichtsausdruck
  • bei [[Schmerzzeichen]] sofort abbrechen
  • falls der Hund die Bewegung überhaupt nicht zulässt, ist er zu angespannt oder zeigt bereits ein Gelenkproblem, deshalb abbrechen

 

Gelenkverletzungen, gelenknahe Knochenbrüche und Gelenkverschleiß wie die Arthrose verursachen oft Schäden am Gelenk, die leider nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Jedoch sind diese Gelenkschäden behandelbar und die Beschwerden für den Hund lassen sich lindern - was für den Hund oft eine deutlich erhöhte Lebensqualität bedeutet. Um so eher die Gelenkkrankheit erkannt wird, um so früher kann dem Fortschreiten entgegen gewirkt werden.

 

B.4 weitere wichtige Symptome für Gelenkprobleme

  • Probleme beim Aufstehen, der Hund kommt nur schwer hoch
  • Anlaufschmerzen bei den ersten Bewegungen nach dem Aufstehen
  • Humpeln und Hinken mit Lahmheiten verschiedener Abstufungen
  • erkennbare Haltungsfehler, wie z.B. wenn der Hund einen Katzenbuckel macht
  • erkennbare Versteifungen eines Gelenks
  • knackende Geräusche aus dem Gelenk

 

Anatomie: Gelenke des Hundes - Körperstellen mit äußerlich gut tastbaren Gelenken

Gelenke beim Hund

Sie dürfen dieses Bild mit Quellenangabe gerne auf ihrer Vereinsseite oder Homepage verwenden.

 

 

C. HINTERGRUNDWISSEN ZUR ANATOMIE DES HUNDES

C.1 Gelenke am Vorderlauf

  • Schultergelenk (Articulatio Humeri)
  • Ellenbogengelenk (Articulatio Cubiti)
  • Vorderfußwurzelgelenk, Karpalgelenk (Articulatio carpi), entspricht dem Handwurzelgelenk beim Menschen
  • Fingergelenk (kleine Gelenke in den Pfoten, Articulatio metacapo phalanga)
  • Zehenmittelgliedgelenk (kleine Gelenke in den Pfoten, Articulatio interphalangea proximalis manus)
  • Krallengelenk (kleine Gelenke in den Pfoten, Articulatio interphalangea distalis manus)

 

C.2 Gelenke am Hinterlauf

  • Hüftgelenk (Articulatio Coxae)
  • Kniegelenk (Articulatio Genus) mit Kniekehlgelenk und das Kniescheibengelenk
  • Sprunggelenk (Articulatio tarsi, Tarsal-Gelenk), beim Menschen an der Ferse zum unteren Fuss
  • Zehengrundgelenke der Hinterläufe (kleine Gelenke in den Hinterpfoten, Articulatio metacarophalangeae pelvis)
  • Zehenmittelgelenke (kleine Gelenke in den Hinterpfoten, Articulatio interphalangea proximalis pelvis)
  • Zehenendgelenke, Krallengelenke (kleine Gelenke in den Hinterpfoten, Articulatio interphalangea distales pelvis)

 

C.3 Zehen des Hundes

  • Fesselbein
  • Kronbein
  • Sesambeine (sesamoides)
  • Krallenbein (os unguiculare)
  • Kralle

 

Es gibt eine Vielzahl von Gelenkerkrankungen, deren Diagnostik auch manchmal für den Mediziner nicht immer einfach ist. Ob eine Pfote gequetscht oder gar gebrochen ist, kann nur der Tierarzt feststellen, Details siehe [[gebrochene Pfote]] Die sichere Feststellung einer Gelenkverletzung oder Gelenkkrankheit ist nur durch den Medizinier möglich - meistens sind dazu noch entsprechende bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT notwendig.

 

D. WANN MIT EINEM GELENKPROBLEM ZUM TIERARZT?

  • im Zweifelsfall immer (!) zum Tierarzt, egal bei welcher Erkrankung
  • wenn die Gelenkprobleme Folge von einem ein traumatischen Ereignis z.B. Unfall, [[Beißerei]], Gelenkausrenkung, Gelenkstauchung, etc. sind
  • wenn der Hund über mehrere Tage hinweg - auch bei vollkommen unbekannter Ursache - Gelenkbeschwerden zeigt
  • wenn diese Beschwerden beim Abtasten immer wieder auftauchen - also reproduzierbar sind

 

D.1 Was der Tierarzt noch wissen sollte

  • welches Gelenk ist betroffen
  • wann traten die Gelenkprobleme erstmals auf, in welchem Zusammenhang
  • was haben Sie genau festgestellt, Schwellungen, Überwärmungen, etc.
  • welche Verhaltensänderungen haben Sie an ihrem Hund beobachtet: entlastet er bestimmte Gliedmaßen, humpelt er, kommt er schwer hoch
  • macht der Hund gelegentlich einen Katzenbuckel, verkrümmt er sich, welche [[Schmerzsignale]] zeigt er Ihnen?
  • Verhaltensänderungen, hat sich der Hund charakterlich verändert

 

 

H. DOKUMENTEN-HISTORIE

 

 

 

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