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Eine Hundepfote wird naturgemäß bei Schritt und Tritt durch den Hund belastet und ist durch Nägel, Scherben und anderes verletzungsgefährdet. Bei einer Schnittverletzung an der Pfote kann der Hund viel Blut verlieren. Dazu nimmt die Pfote leicht Schmutz auf und ist bei offenen Verletzungen infektionsgefährdet. Darüber hinaus ist eine Pfotenverletzung für den Hund eine sehr schmerzhafte Angelegenheit.  Der Ersthelfer übernimmt die Erstversorgung des Hundes und entfernt Fremdkörper wenn dies leicht möglich ist und bringt einen Pfotenverband an. Ausser in wirklichen Bagatellfällen sollte sich ein Tierarzt die Pfote ansehen und über das weitere Vorgehen entscheiden.

 

NOTFALL-CHECKLISTE : Pfotenverletzung

Eine Pfotenverletzung ist für Hund und Halter oft eine eine langwierige und pflegeintensive Angelegenheit.

 

 

A. AUSGANGSLAGE

  • der Hund ist in eine Scherbe, Nagel, Dorn oder ähnliches getreten
  • der genaue Hergang der Verletzung lässt sich vielleicht gar nicht mehr genau feststellen
  • der Hund bewegt sich anders als sonst, setzt die Pfote nicht mehr richtig auf, humpelt
  • der Hund hat wunde Ballen und kann nicht laufen
  • der Hund hat in der Pfote Schmerzen
  • jedes überflüssige Auftreten ist zu vermeiden
  • eine Pfotenverletzung kann für den Hund eine sehr schmerzhafte Angelegenheit sein
  • die Wunde kann sehr stark bluten

 

INFO: Wenn ein Hund Schmerzen in der Pfote hat, zeigt er uns das oft durch sein verändertes Verhalten an. Er knabbert an der schmerzhaften Pfote herum oder schont das Bein und hinkt beim Gehen. Es ist eine gute Gewohnheit als Hundehalter, sich immer wieder ganz beiläufig das Gangbild und Verhalten des Hundes anzusehen - und wenn nötig detailliert ersten Hinweisen nachzugehen. Eine Getreidegranne kann so zwischen den Zehen anfangs noch leicht entfernt werden, bevor sie sich böse in den Zwischenzehenbereich hineinschiebt. Schlimmstenfalls mit einer bösen Entzündung und Vereiterung der Pfote.

 

A.1 Hintergrund-Infos

  • Hunde sind im Gegensatz zu uns Menschen mangels Schuhe schutzlos Glasscherben, Nägel, Dornen,etc. ausgesetzt.
  • kommt es dabei zu Verletzungen an den Pfoten sind diese oft langwierig
  • Sie heilen nicht schnell, weil der Hund weiterhin mit der Pfote auftritt
  • es besteht die Gefahr, dass sich die Wunde entzündet
  • Streusalz im Winter, Nässe, Frost und Eis kann die Belastung noch ganz erheblich verschlimmern. Details siehe -> Streusalz

 

A.2 wenn der Hund: humpelt und hinkt - Arten von Pfoten-Verletzungen

  • stark blutende Schnittverletzungen
  • tiefe Schnittverletzungen, wobei Teile des Ballens herunter hängen können (siehe auch -> Ballenverletzung )
  • Verletzungen an der Wolfskralle / Daumenkralle bis zu deren vollständigen Ausreissen
  • im heissen Hochsommer kann sich auf Strassen und Gehwegen der Asphalt so erhitzen, dass an manchen Stellen Bitumen (flüssiger Teer) austritt. Wenn der Hund hier hineintritt, kann es zu Hautverletzungen kommen
  • Grannen von Gräsern und spitze Ähren von Getreide können tief in den Zwischenzehenbereich an der Pfote eindringen und nur schwer zu entdecken sein.
  • dasselbe gilt für eingetretene Dornen einiger Pflanzen (zum Beispiel Robinien), manchmal in Form einer schwer zu erkennenden, tief sitzenden Ballenverletzung
  • als Folge kann sich ein Abszess im Ballen oder zwischen den Zehen bilden
  • eine Zecke oder ein verbliebener Zeckenkopf kann sich noch zwischen den Zehen befinden, sich entzünden und Beschwerden machen
  • Holzsplitter, Glasssplitter oder ähnliches können sich noch in der Pfote befinden
  • im Pfotenballen selbst kann ein fast nicht erkennbarer Schnitt sein
  • eine der Krallen kann abgebrochen sein und bluten, Details siehe -> Krallenverletzung
  • leider ist als mögliche Ursache der Pfotenverletzung insbesondere bei Fundhunden auch die Jagd möglich, von Verletzungen durch Schlagfallen, Fangeisen, Fangschlingen bis zur -> Schussverletzung
  • über eine eigentliche Pfotenverletzung hinaus gibt es für eine Lahmheit eine Vielzahl anderer möglicher Ursachen, die immer auch in Betracht zu ziehen sind, weitere Hinweise und Details hierzu siehe -> Humpeln und Hinken

 

B. VORBEREITUNG UND SELBSTSCHUTZ

  • bevor man die Pfote untersucht, beruhigend auf den Hund einwirken
  • auch beruhigend auf die anderen Personen einreden, Panik - insbesondere auch wenn eine starke Blutung vorliegt, hilft niemandem !
  • unüberlegte Maßnahmen von anderen Personen vermeiden
  • Hund anleinen bzw. festbinden -> Sichern und Beruhigen
  • es muss auch beim sonst liebsten Hund mit heftigen Schmerzreaktionen und Beissattacken gerechnet werden
  • zum Selbstschutz: Maulkorb oder Maulschlinge anlegen, Details siehe -> Maulschlinge
  • den Hund in die stabile Seitenlage bringen, Details siehe -> stabile Seitenlage

 

C. SYMPTOME

  • sichtbare Behinderung wenn das Tier mit der Pfote auftritt
  • humpelnde Bewegungen
  • der Hund versucht das Auftreten mit der Pfote zu vermeiden
  • evtl. Blutung an der Pfote
  • je nach Ursache, z.B. Glasscherbe - auch sehr starke Blutungen
  • Der Hund lahmt und setzt das betroffene Bein nur noch kurz oder gar nicht mehr auf.

 

D. NOTFALLMASSNAHMEN

  • das Tier muss insgesamt ruhig gehalten werden, damit sich die Verletzung an der Pfote nicht verschlimmert
  • bei sehr starken Blutungen muss zuerst die Blutung gestillt werden, Details sie -> Druckverband anlegen
  • falls der Hund sichtbar Pfotenprobleme hat, eine Pfotenwunde aber nicht gefunden werden kann, auf Knochenbruch prüfen, Details sie -> Knochenbruch

 

D.1 Pfote reinigen

  • Pfote mit mit klarem, sauberem Wasser ausspülen
  • evtl. Haare aus dem Pfotenbereich vorsichtig zurückschneiden
  • Pfote mit Desinfektionsspray desinfizieren
  • um die möglichen Verletzungen an der Pfote besser sehen zu können, kann es sinnvoll sein, das Pfotenhaar zurück zu schneiden. Verwenden Sie dazu eine vollkommen abgerundete Schere um weitere Verletzungen zu vermeiden. Solch eine abgerundete Schere gehört deshalb auch in das Erste-Hilfe Paket im ->  Hunde-Notfall-Koffer

 

D.2 Pfote untersuchen und ggf. Fremdkörper entfernen

  • wenn möglich bei gutem Licht, Taschenlampe, etc. den Zustand der Pfote untersuchen
  • insbesondere auf Fremdkörper wie Dornen, Glassplitter, Grannen, etc. achten
  • Fremdkörper in der Wunde, Schmutz oder kleine Steinchen vorsichtig entfernen.
  • falls der Hund stark humpelt, man aber nur eine Schwellung findet, handelt es sich möglicherweise um einen Insektenstich, weitere Details siehe -> Insektenstich
  • Die Pfoten und Beine vorsichtig abtasten, und beobachten ob sich an einer bestimmten Stelle ein Schmerzempfinden zeigt.
  • evtl. ist eine Schwellung an einem Ballen zu bemerken, möglicherweise findet man eine Eintrittswunde
  • wenn es leicht möglich ist, den Fremdkörper mit der Pinzette aus der Pfote entfernen
  • IM ZWEIFELSFALL: den Tierarzt den Fremdkörper entfernen lassen
  • WICHTIG:wenn eine klaffenden Wunde vorliegt und erkennbar ist, dass diese Wunde genäht werden muss - sollte der Hund so schnell wie möglich zum Tierarzt. Wenn keine Zeit verloren wird kann durch eine Wundnaht die Wunde z.B. an der frischen Schnittstelle wieder zusammen wachsen.

 

D.3 Verletzung an einer Kralle

  • falls die Pfote selbst in Ordnung ist
  • eine Kralle blutet, eingerissen oder abgerissen ist
  • wenn das Krallenbett verletzt ist
  • Versorgung einer verletzten Kralle, Details siehe -> Krallenverletzung

 

D.4 Verband vorbereiten

  • evtl. Haare aus dem Pfotenbereich vorsichtig zurückschneiden
  • desinfizierende Wundsalbe auf den Wundenbereich aufbringen

 

D.5 Pfotenverband anlegen

  • sterile Wundauflagen zur Abdeckung auf der Wunde anbringen
  • zwischen jede Zehe eine Mullpolster einlegen
  • Wolfskralle mit einpolstern
  • sollte noch ein Fremdkörper in der Wunde sein, diesen sehr gut umpolstern
  • dann die Pfote insgesamt verbinden

 

D.6 äussere Fixierung des Pfotenverbandes

  • der Verband darf nicht zu fest sein
  • ideal ist eine selbsthaftende (kohäsive) Binde zur äusseren Fixierung des Verbands, Details siehe -> Erste-Hilfe Material
  • ansonsten Verband mit Heftpflaster fixieren
  • Pfotenschuh anziehen (wenn vorhanden)
  • weitere Details siehe -> Pfotenverband anlegen

 

E. TRANSPORT ZUM TIERARZT

  • der Transport muss wegen der großen Schmerzbelastung sehr behutsam erfolgen
  • die Gliedmaßen mit der verletzten Pfote einfach hängen lassen
  • wenn möglich einen Helfer organisieren, herbeirufen oder herwinken, auch ggf. auch laut um Hilfe rufen
  • vorab mit Tierarzt telefonisch Kontakt aufnehmen
  • sicherstellen daß die Praxis oder Klinik geöffnet hat
  • weitere Details zum Transport des verletzten Hundes, siehe -> Transport

 

 

E.1 in der Heilungsphase

  • nachdem der Tierarzt den Hund behandelt hat, wird er ihnen vermutlich einen Trichter und Pfotenschuh mitgeben
  • zum Gassigehen sollte die Pfote durch den Pfotenschuh/Hundeschuh vor Verschmutzung geschützt werden
  • nach einer Pfotenverletzung ist in aller Regel zunächst für einige Tage Ruhe angesagt - um den Heilungsprozess zu fördern.
  • jetzt ist Geduld angesagt: denn Verletzungen an der Pfote heilen nur langsam, da die Wunde bei Belastung immer wieder leicht aufreißt
  • um den Hund vom Lecken an der Wunde abzuhalten, ist oft ein Hundekragen notwendig. Alternativ kann man die Pfote auch mit Kindersocke schützen
  • nach jedem Gassigang sollte die Pfote vorsichtig aber gründlich gereinigt werden

 

F. WEITERE HINWEISE

  • WICHTIG! Unbedingt Maulkorb oder Maulschlinge anlegen, wenn das Tier getragen werden muss, Details siehe -> Maulschlinge
  • Aufgrund der hohen Infektionsgefahr an den Pfoten sollte das Tier auf jeden Fall zur gründlichen Wundbehandlung zum Tierarzt

 

 

F.1 wenn dem Tierarzt keine Diagnose gelingt

  • es kann vorkommen dass der Tierarzt die eigentliche Ursache der Symptome nicht finden kann
  • falls keine blutende Wunde vorliegt, der Hund aber sichtbar ein Pfotenproblem hat und nicht damit auftritt
  • möglicherweise befindet sich ein verborgen tief sitzender Dorn im Zehenballen
  • möglicherweise ist die Pfote gequetscht oder Knochen im Pfotenbereich gar gebrochen/angebrochen - ohne dass es im Röntgenbild sichbar wäre
  • wenn es nach längerer Qual für den Hund immer noch zu keiner Diagnose kommt: wechseln Sie den Tierarzt.
  • Vielleicht hat ein anderer Tierarzt eine bessere Intuition oder bereits genau die Erfahrungen gemacht, die ihrem Hund jetzt helfen können.

 

G. PRÄVENTION

G.1 Gefahrenzonen mit Scherben meiden

  • Nehmen Sie ihren Hund an die Leine, wenn Sie durch ein Scherbengebiet gehen und umgehen Sie die Gefahr
  • Flussufer oder Baggerseen mit ausgedehnten Kiesbänken sind manchmal auch Plätze für ausgehnte nächtliche Trinkgelage und Parties - falls sie ein abgebranntes Lagerfeuer oder ähnliche Party-Spuren sehen, sollten Sie dieses Gebiete meiden. Möglicherweise finden sie schon einige hundert Meter weiter eine bessere Stelle.

 

G.2 Wunde Pfoten durch Streusalz im Winter

  • im Winter wird manchmal sehr ungleichmäßig Streusalz verteilt
  • an manchen Stellen liegt es dick auf, wenn es darauf geregnet hat, können sich hier Pfützen aus konzentrierter Salzlake bilden
  • als Gassigänger bekommen wir das oft gar nicht, insbesondere wenn es auch schon dunkel ist
  • wir tun unseren Hunden wirklich etwas Gutes, wenn wir ihnen zum Beispiel in einer flachen Schüssel gleich nach dem Gassigang die Pfoten waschen
  • beim Waschen ganz besonders auf die Bereiche zwischen den Zehen achten
  • Zum Schutz hat sich auch das Einreiben der Ballen mit Vaseline oder Melkfett vor dem Gassigehen bewährt.
  • weitere Details zu Entzündungen durch Streusalz im Winter siehe -> Streusalz

 

G.3 weitere Gefahrenzonen

  • Im Hochsommer Strassen und Gehwege mit offenen Bitumen (Teer) meiden
  • typische Gebiete mit teilweise grossen hölzernen Dornen an Astsücken auf dem Boden sind Parks mit Akazien-Bäumen (Robinien). Diese verholzten Dornen brechen in der Pfote ab und bleiben stecken.

 

 

 

H. Weitere Hinweise

H.1 Videos zum Thema

 

Auf los geht's: Im TV läuft gleich ...
Wie man eine Pfotenverletzung behandelt ....

 

 

I. DOKUMENTEN-HISTORIE

 

 

 

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