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Wenn ein Hund unter Knochenkot leidet, ist das ein Hinweis auf eine schwere Fehlernährung. Denn die Verfütterung von Knochen kann nicht nur zur Totalblockade des Verdauungssystems führen, schlimmstenfalls zerreissen sogar die Knochsplitter im zementharten Knochenkot die Darmwand. Dabei hat es der Hundehalter selbst in der Hand seinem Hund diese qualvolle Leiden zu ersparen. Als erstes muss mit der unsinnigen Vorstellung aufgeräumt werden, eine ausgeprägte Knochenfütterung führe zu starken Knochen beim Hund. Man kann nämlich noch so viel Knochen verfüttern, der Hund kann davon nur das an Calcium in sein Skelett einbauen, was zuvor von seinem Darm über die Darmwand ins Blutserum übergegangen ist. Wenn aber das Blutserum mit Calcium gesättigt ist, wird aus dem Darm einfach nicht mehr aufgenommen - egal wieviel Knochen man füttert und der Knochenbrei wandert wie flüssiger Zement in den Dickdarm, wo ihm das Wasser entzogen wird und er steinhart wird. Aus welchen Gründen auch immer ein Hundehalter nun das Risiko Knochenkot eingeht - tragen muss es nicht er - sondern sein Hund.

 

 

NOTFALL-CHECKLISTE : Knochenkot   ( Erfahrungen s.u. ⇣ )

Wenn zuviel aufgenommener Knochen als unverdauter Knochenbrei in den Dickdarm gelangt und dort das Wasser entzogen wird, kann die Masse zementartig verbacken und den Darm komplett blockieren. Es handelt es sich dann um einen akut lebensgefährlichen, tiermedizinischen Notfall.

 

A. AUSGANGSLAGE

  • nach einer Knochenmahlzeit hat der Hund Probleme beim Stuhlgang
  • das Kot absetzen fällt ihm sichtbar schwer - er muss stark drücken
  • möglicherweise hat er sichtbare Schmerzen, jault, stöhnt, bewegt sich nicht gern
  • ein erster Hinweis auf ein Knochenkot-Problem ist, wenn der abgesetzte Kot weiß und bröselig ist, später in fester Knollen-Knubbel-Form, steinharte Kotbällchen, aber noch klein genug und ausscheidbar
  • weiter fortgeschritten wie Zementsteine
  • wenn der Hund einen zu grossen Knochen verschluckt und im Hals stecken hat, kann dies schlimmstenfalls bis zum Ersticken führen, weitere Details siehe  -> Erstickungsanfall
  • wenn der Hund scharfkantige, splitternde Knochen geschluckt hat, können diese Knochenplitter zu schwersten inneren Verletzungen wie Darmperforationen führen, weitere Details siehe  -> Fremdkörper

 

A.1 HINTERGRUND-INFOS: Wie sieht Knochenkot aus?

  • das Aussehen von Kochenkot kann je nach verfütterter Knochenart, Knochenmenge und dem Anteil der Beifütterung zu anderem Futter sehr varieren
  • die Farben gehen von weiss, grau, über ocker bis in gelbliche Töne
  • die Konsistenz kann von knochentrocken und fest wie Zementsteine bis zu bröselig und klein gehen
  • aus dem Knochenkot selbst können längere Knochenbruchstücke als gefährliche scharfe Zacken herausragen

 

Knochenkot wird von manchen Hundehaltern als kleines Übel - für den Hund - angesehen. Bisher ging es ja immer gut. Wer jedoch den Knochenstuhl bewusst in Kauf nimmt, legt die Gesundheit und das Leben seines vierbeinigen Lieblings in die Hand des Zufalls: wenn zufällig zerborstene, scharfe Knochensplitter in den Knochenbrei mit einbacken und scharfkantig nach aussen in den Darm ragen, droht ein akut lebensgefährlicher Darm-Riss. Dieser eingebackene Knochensplitter kann den Darm zerreissen! Es kann tausendmal gut gehen - doch dann irgendwann passiert es.

 

 

Abbildung: Knochenkot beim Hund

Knochenkot

Sie dürfen dieses Bild mit Quellenangabe gerne auf ihrer Vereinsseite oder Homepage verwenden.

 

 

B. URSACHEN DES KNOCHENKOT

Viele Abfälle sind traditionelles Hundefutter. Küchenabfälle und auch Schlachtabfälle aller Art, Knochen, Hühnerhälse bekamen in der bäuerlichen Wirtschaft immer die Hunde - man hätte nichts weggeworfen. Dennoch muss das deshalb noch lange nicht gesund sein und muss heute hinterfragt werden.

 

B.1. HINTERGRUND-INFOS: Warum ensteht Knochenkot?

  • die Aufnahme von Calcium aus dem Darm erfolgt über die Darmwand ins Blut
  • entscheidend ist dabei, wie gesättigt das Blutplasma zu diesem Zeitpunkt mit Calcium ist
  • man noch so viel Knochen verfüttern, der Hund kann nur das an Kalzium in sein Skelett einbauen, was zuvor vom Darm über die Darmwand ins Blutserum übergegangen ist
  • wenn aber das Blutserum mit Calcium gesättigt ist, wird aus dem Darm einfach nicht mehr Calcium aufgenommen
  • der Knochenbrei wandert wie flüssiger Zement zum Dickdarm
  • dort wird ihm das Wasser entzogen
  • es bleibt der zementharte Knochenkot wie versteinert im Dickdarm zurück

 

B.2. HINTERGRUND-INFOS: Risiken für die Entstehung von Knochenkot

  • reine Knochenmahlzeiten
  • ein zu hoher Knochenanteil in einer Mahlzeit
  • fehlendes Verständnis des Hundehalters, wie das Kalzium über die Ernährung des Hundes, seinen Darm und Blutserum, schliesslich in das Hunde-Skelett eingebaut wird
  • Verfütterung grosser Knochenmassen (z.B. der im Handel angebotene Schinkenknochen, Parmaschinkenknochen, etc.)
  • Fehleinschätzung: wenn man Knochen verwolft (z.B. Hühnerhälse), würde kein Knochenkot enstehen. Richtig ist: im Verdauungssystem bleibt der unverdaute, nicht aufgenommene Rest zurück: Knochenbrei - der dann verfestigt wird
  • Fehleinschätzung: Fleischknochen würden nicht zu Knochenkot führen, weil das Fleisch am Knochen die Verdauung anregen würde. Richtig ist: die Proteine werden vom Knochen wegverdaut, Calcium das aufgrund der Sättigung im Blutserum nicht in dieses übergeht, bleibt im Verdauungssystem zurück. Verfestigt wird es zu Knochenkot
  • Fehleinschätzung: wenn verwolften Knochen mit leicht verdaulichem Futter mischt, würde kein Knochenkot enstehen. Richtig ist: wenn der leicht verdauliche Futteranteil aufgenommen wird, bleibt letztendlich wiederum der Knochenbrei im Verdauungssystem zurück - der dann zuletzt verfestigt wird

 

Info: Grasfressen zum Abbau von Stress. Hundebegegnungen und andere stressige Situationen können Übersprungshandlungen auslösen. Manchem Hund hilft in dieser Situation dann einfach, wenn er sich durch das Knabbern eines Grashalmes ablenkt. Grasfressen enspannt - wie überhaupt Fressen beruhigen kann. Schon der kleine Welpe kann das in seinem Rudel bei Frauchen und Herrchen beobachten, wenn in der angespannten Ruhe beim TV-Krimi nur die Salzstangen zwischen den Zähnen knirschen. Wir erkennen uns im Hund: knabbern entspannt.

 

C. SYMPTOME

  • ein Hauptsymptom ergibt sich aus der Anamnese, also der Krankheitsvorgeschichte: der Hund hat Knochen gefressen und weitergehende Beschwerden
  • Probleme beim Stuhlgang
  • bröseliger, weisser Kot
  • es kommt fester, weisser Kot heraus (der Kot kann auch grau bis gelblich sein)

 

C.1. Schwere Symptome

  • Blut im Stuhlgang, weil der verfestigte Knochenkot die Darmwand verletzt hat
  • beim Darmverschluss: Kotverhalt aber auch Erbrechen, weil der Verdaungsweg auch von oben her vollkommen blockiert ist (siehe auch -> Darmverschluss )
  • schwere Schmerzsymptome, gekrümmter Rücken
  • nach oben gekrümmter Rücken
  • der Hund kann vor Schmerzen kaum laufen
  • möglicherweise ist keinerlei Kotabsatz mehr möglich, dann sofort weiter bei -> Darmverschluss (Lebensgefahr!)

 

C.2. Verhaltensänderungen mit Symptomcharakter

Unser Hund sagt uns viel über sein Befinden - auch wenn er nicht reden kann. Er sagt es uns nicht mit Worten sondern mit seinem Verhalten. Wir müssen dabei besonders auf Veränderungen in seinem Verhalten achten und wenn bemerkenswert diese in einem Gesundheitstagebuch vermerken. Im Nachhinein lassen sich so durchaus auch Hinweise auf Krankheitsursachen finden. Weitere Infos siehe -> Hunde-Gesundheitstagebuch

  • der Hund will sich nicht mehr bewegen, er legt sich auf der Gassirunde einfach hin
  • aufgekrümmter Rücken
  • Strecken der Hinterbeine (als Zeichen der Beschwerden im Bauch)
  • starkes, leidendes Hecheln (als ein Schmerzmerkmal)
  • heftige Pressversuche beim Versuch Kot abzusetzen
  • erkennbare Beschwerden und Schmerzen beim Kotabsetzen

 

D. SOFORTMASSNAHMEN

  • bei ersten Anzeichen von Knochenstuhl (siehe Symptome oben) die Knochenration ganz aussetzen
  • Öl, Joghurt zufüttern - um den Knochenkot leichter aus dem Darm zu schleussen (siehe auch  -> Fremdkörper)
  • Stuhlgang ganz genau beobachten
  • unbedingt auf die lebensgefährlichen Symptome eines -> Darmverschluss achten! dann als tiermedizinischer Notfall in die Tierklinik

 

E. WANN ZUM TIERARZT ?

  • unbedingt auf die lebensgefährlichen Symptome eines -> Darmverschluss achten! dann als tiermedizinischer Notfall in die Tierklinik
  • wenn sich der Allgemeinzustand des Hundes verschlechtert
  • wenn Blut im Erbrochenen ist
  • wenn Blut im Stuhlgang ist
  • wenn es andere Krankheitszeichen wie Fieber, Abgeschlagenheit, etc. gibt
  • wenn der Hund keinen Kot mehr absetzen kann

 

F. DIAGNOSTIK

F.1. Klärung der Krankheitsvorgeschichte (Anamnese)

  • wieviel Knochen hat der Hund gefressen
  • welches Futter direkt dazu
  • wie sieht generell der Speiseplan aus, wie oft Knochen
  • hatte der Hund schon in der Vergangenheit Knochenkot
  • seit wann
  • wir oft
  • was wurde gann gemacht

 

F.2. Tierärztliche Untersuchungen

  • Untersuchung von Kotproben
  • Abtasten des Bauches
  • rektale Untersuchung (manuelles Abtasten des Enddarmes)
  • Ultraschall
  • Röntgen

 

G. THERAPIE

G.1. Grundsätzliche Maßnahmen

  • Ernährung sofort umstellen
  • künftig den Knochenanteil an der Nahrung stark reduzieren
  • besser noch: auf die Fütterung von Knochen ganz verzichten

 

G.2. bei einfacheren Beschwerden durch Kochenkot

  • einige Esslöffel Speiseöl verfüttern (z.B. in Joghurt einrühren)
  • Parafinöl als Einlauf
  • Klistier (Glyzerinklistiere)
  • fertige Einmaltube (Klistier, Einlauf wegen Verstopfung) vom Tierarzt oder Apotheke (für den Notfall z.B. Urlaub)

 

G.3. bei Komplikationen - insbesondere wenn der Knochenkot zum Darmverschluss führt

  • im günstigen Fall kann der Tierarzt mit einem Einlauf / Darmspülung den Darmverschluss lösen
  • im ungünstigen Fall muss durch eine Bauchöffnung der Darm operativ freigemacht werden
  • unabhängig vom Knochenkot: wenn der Hund ein zu grosses Knochenstück verschluckt, kann es zum -> Darmverschluss kommen
  • Hunde mit Wirbelsäulen-/Bandscheiben-Problemen macht das heftige Drücken beim Stuhlgang ganz besondere Beschwerden
  • Freispülen des Darms in Narkose
  • durch den Tierarzt versuchen, die Verhärtungen unter Narkose durch den After ausräumen
  • Knochenkot kann schlimmstenfalls zum lebensgefährlichen -> Darmverschluss führen

 

H. PRÄVENTION

 

I. WEITERE HINWEISE

 

I.1 Hausmittel bei Verstopfungen

  • durch Gabe von mehreren Esslöffeln Speiseöl kann man versuchen den Kot aufzuweichen

 

 

 

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